Diese Webseite nutzt Cookies zur Verbesserung des Erlebnisses unserer Besucher. Indem Sie weiterhin auf dieser Webseite navigieren, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden.

light+building Nachlese II

Aufgefordert sich zu wandeln: die Lichtindustrie 2018

Dienstagmorgen, 20. März 2018, 11 Uhr. Das kurzfristig anberaumte Sechsaugengespräch konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wann bekommt man denn schon einmal die Gelegenheit, mit einer internationalen Koryphäe des Lichtsektors im lockeren Gespräch Messeeindrücke auszutauschen?  Was mit einer scheinbar harmlosen Frage seinen Anfang nahm, entwickelte sich nach wenigen Minuten zu einem Stegreif-Appell an eine innovationsmüde Branche. Ganz im Stile einer Ruck-Rede, für die ein Roman Herzog bei vielen Bundesbürgern in dankbarer Erinnerung geblieben sein dürfte.

„Was ist Ihnen denn Besonderes aufgefallen auf der diesjährigen Messe?“, wurden wir gefragt. Und noch bevor wir antworten konnten, wurde uns klar, dass es eine rhetorische Frage war. „Haben Sie sich in den vielen Hallen umgesehen? Wissen Sie, was ich glaube? Wenn die Branche so weitermacht, dann kommt diese Messeveranstaltung 2020, spätestens 2022 mit der Hälfte des heute belegten Geländes aus. Nicht nur, weil sich die Branche konsolidiert, konkurrierende Unternehmen sich zusammenschließen oder völlig vom Markt verschwinden werden, sondern weil die Branche es nicht verstanden hat, dass es jetzt Zeit ist, Visionen nach vorne zu bringen, kühne Entwicklungen voranzutreiben, bevor alles im Kleinklein versandet!“  „Was ist denn schon neu in diesem Jahr? Gut, da gibt es wie immer die namhaften Designlampenhersteller für das solvente Privatkundenklientel, die satte 300 Euro für eine Leuchte aufrufen, die ich aber ehrlich gesagt im Baumarkt für ein Zehntel des Preises bekommen kann. In der Haptik und Form etwas weniger spektakulär, aber in Sachen Lichtausbeute völlig identisch. Und wie sieht es mit der Technologieentwicklung aus?  - Wir haben in den letzten Jahren kräftig den Wirkungsgrad der LED nach oben geschraubt. Da ist nun nicht mehr allzu viel Luft nach oben…“

Auch in diesem Beitrag haben wir nicht vor, zu den geäußerten Thesen Stellung zu beziehen. Uns geht es wie immer an dieser Stelle um Meinungsvielfalt, die den Gedankenaustausch fördert und nicht um Meinungsmache. Wir möchten Sie einfach dazu einladen, sich die Ansichten und drängenden Fragen dieses profunden Branchenkenners bis zum Schluss anzuhören:

  • Wie lange werden die großen Player aus den Nachbarbranchen noch warten, bevor sie den klassischen Lichtmarkt durch neue Mehrwertkonzepte zunächst bereichern und dann Stück für Stück übernehmen?
  • Wie können die europäischen Innovatoren im Lichtsektor ihren Technologievorsprung gegenüber asiatischen Unternehmen nicht nur halten, sondern ausbauen?
  • Was verursacht den Innovationsstau im Lichtsektor? - Unternehmerische Furcht vor regulatorischen Einstiegshürden, nicht absehbaren Prüf-, Zulassungs- und Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?
  • Wann verlässt die Lichtbranche ihr verzweifelt eng gestecktes Terrain?
    - Es geht längst nicht mehr nur um Helligkeit oder Lichteffekte. Es geht um Abertausende vernetzter Leuchten, die über Gebäudekomplexe, Stadtviertel und Mikroklimazonen hinweg  blitzschnell Informationen sammeln und sich gegenseitig zuspielen können. Aber bevor man Daten zu sammeln beginnt, sollte man sich darüber im Klaren sein, welchen gezielten Nutzen man aus dieser vernetzten Intelligenz ziehen möchte.   
  • Genau deshalb ist jetzt die Zeit für den Lichtsektor gekommen, sich für mehrere mutige Visionen zu entscheiden und diese beherzt auf den Markt zu bringen. Nur so können wir gewährleisten, dass sich die eine oder andere Entwicklung durchsetzt und sich als Grundlage  für nachfolgende Technologieschübe bewährt. Nur so kann die Innovationskraft in unserer Kernbranche gestärkt - und - gehalten werden. 

Die light+building Nachlese III erscheint zum Thema:

volatiles - Digitales Glasmosaik